Atmung im Sportschießen: Wie dein Atem über Stabilität, Fokus und Treffer entscheidet

Für diesen Blogbeitrag haben wir einen besonderen Gastautor eingeladen, seine Expertise mit uns zu teilen: Simon Mayer. Viele kennen ihn wahrscheinlich als @shooting_simon auf Instagram, wo er regelmäßig wertvolles Wissen, spannende Einblicke und unterhaltsamen Content rund um den Schießsport teilt.

Simon ist selbst ein leidenschaftlicher und erfolgreicher Schütze, hat jedoch noch mehr Freude daran, andere Schützinnen und Schützen besser zu machen. Er arbeitet als Sportökonom, Gesundheitsberater und Trainer im Luftgewehrschießen. Seine Leidenschaft gilt der präzisen Technikoptimierung und der Leistungssteigerung durch fundierte Diagnostik.

Im folgenden Beitrag wirft Simon einen genaueren Blick auf die Rolle der Atmung im Sportschießen und erklärt, wie eine bewusste Atemkontrolle Stabilität, Fokus und die Schießleistung maßgeblich beeinflussen kann.

_____________________________________________________________

Atmung im Sportschießen: Wie dein Atem über Stabilität, Fokus und Treffer entscheidet

Gastbeitrag von Simon Mayer

Von außen sieht Sportschießen oft simpel aus: Ziel anvisieren, Abzug drücken, Treffer. In Wahrheit passiert dabei aber deutlich mehr … und einer der meistunterschätzten Faktoren ist die Atmung.

Ich erlebe es im Training immer wieder: Stundenlang wird an Technik gefeilt, am Abzug gearbeitet oder an der Visierung geschraubt – aber die Atmung läuft einfach „nebenbei“. Dabei beeinflusst sie fast alles: Stabilität, Puls, Konzentration und letztendlich auch dein Trefferbild.

Was passiert beim Atmen mit unserem Trefferbild?

Atmen klingt erstmal simpel: Luft rein, Luft raus. Aber in Wahrheit passiert dabei eine  ganze Menge und genau das beeinflusst dein Trefferbild massiv. Mit jedem Atemzug bewegt sich dein Zwerchfell (die Hauptatemmuskulatur) nach unten beim Einatmen und nach oben beim Ausatmen. Dabei verändert sich dein Brustkorb, deine Bauchorgane verschieben sich minimal, und dein Schwerpunkt verschiebt sich automatisch um ein paar Millimeter. Klingt wenig, aber gerade auf 10 Meter kann das den Unterschied zwischen Zehner und Neuner machen.

Beim Einatmen werden außerdem Herzfrequenz und Blutdruck leicht erhöht, da der Körper biologisch auf Aktivität vorbereitet wird. Die Muskeln spannen sich dabei minimal an. Hierbei spricht man von voraktiver Stabilität, die dein Körper automatisch 
aufbaut.

Beim Ausatmen passiert genau das Gegenteil: Muskelspannung fällt, Puls sinkt leicht, das Zwerchfell entspannt sich, und der Brustkorb senkt sich ab. Dein Oberkörper wird ruhiger, genau dieser Moment ist die berühmte natürliche Atempause, der ideale Zeitpunkt für den Schuss.

Und es gibt noch einen unsichtbaren, aber entscheidenden Faktor: deine Nervensystemreaktion. Durch die Atmung steuerst du dein autonomes Nervensystem. Hektisches Atmen aktiviert den Sympathikus der „Stressmodus“ deines Körpers: Puls hoch, Muskeln angespannt, Feinmotorik reduziert. Ruhiges, kontrolliertes Ausatmen aktiviert den Parasympathikus dein „Ruhemodus“: Puls sinkt, Muskeln entspannen, der Halteraum wird kleiner, Präzision steigt.

Kurz gesagt: Beim Sportschießen verändert jeder Atemzug subtil deine Körperhaltung, Muskelspannung, Pulsfrequenz und Feinmotorik. Wer das versteht, kann seinen Körper bewusst steuern.

Tiefenentspannt zum Perfekten Schuss!

Wie die 4-7-8-Technik deine Herzfrequenz beeinflusst

Puls klingt erstmal wie die Zahl auf deiner Uhr, dabei entscheidet er maßgeblich darüber, wie ruhig dein Gewehr liegt. Jeder Herzschlag erzeugt winzige Bewegungen, die sich über Arme und Schulter auf den Halteraum übertragen. Selbst wenige Schläge pro Minute Unterschied können spürbar sein, gerade auf den 10 Metern beim Luftgewehr schießen.

Die 4-7-8-Technik ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Trick, um Puls und Nervensystem zu beruhigen: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen.

Beim Einatmen füllt sich der Brustkorb, das Zwerchfell senkt sich, Puls und Blutdruck steigen leicht, der Körper baut Spannung auf. Während des Atemanhaltens stabilisiert sich die Herzfrequenz, gleichzeitig beginnt der Parasympathikus zu wirken und die Muskulatur lässt bereits minimal los. Beim langen Ausatmen zieht sich das Zwerchfell wieder zusammen, Herzfrequenz und Muskelspannungen sinken und der Halteraum stabilisiert sich, der Perfekte Moment für einen präzisen Schuss.

Schon ein bis zwei Durchführungen vor der Serie oder zwischen den Schüssen reichen oft aus, um spürbar Ruhe in Körper und Kopf zu bringen.

Wie die 4-7-8-Technik deine Muskulatur beeinflusst

Muskeln sind die stillen Mitspieler in deinem Anschlag. Schon kleine Anspannungen in Schultern, Nacken oder Unterarmen wirken sich direkt auf den Halteraum aus. Wer lernt diese Spannung bewusst loszulassen, gewinnt automatisch mehr Ruhe und Kontrolle.

Beim Einatmen senkt sich das Zwerchfell, der Brustkorb hebt sich leicht, Bauch und Rippen dehnen sich. Gleichzeitig spannen sich Schultern, Nacken und Unterarme minimal an, denn dein Körper bereitet sich unbewusst auf Aktivität vor. Diese Spannung ist leicht und kontrolliert, ideal für Stabilität ohne Verkrampfung. Beim Atemanhalten bleibt diese Grundspannung bestehen, während der Körper bereits beginnt herunterzufahren. Hände und Unterarme entspannen sich subtil, der Halteraum wird ruhiger wodurch sich Stabilität weiter aufbaut. Beim Ausatmen sinken die Schultern leicht ab, das Zwerchfell zieht sich zusammen und die Muskelspannung in Armen, Schultern und Nacken reduziert sich deutlich. Der Körper ist jetzt maximal entspannt, die Feinmotorik optimal, genau der Moment, in dem Präzision entsteht.

Jeder Atemzug, jedes bewusste Ausatmen und jede Muskelbewegung wirken sich direkt auf Stabilität, Fokus und Präzision aus. Wer lernt, Atmung, Herzfrequenz und Muskulatur gezielt zu steuern, schafft die perfekte Basis für konstante Treffer. Am Ende entscheidet beim Sportschießen nicht nur Technik oder Training, sondern auch, wie gut du deinen Körper im Griff hast. Und wer nicht nur die Atmung, sondern auch den Anschlag perfekt unter Kontrolle haben will, kommt an MESHPRO einfach nicht vorbei.

_____________________________________________________________

Folge Simon auf Instagram unter @simon_shooting, um immer auf dem Laufenden zu bleiben mit wertvollen Trainingstipps, fundierten Experteneinblicken und authentischem Content aus der Welt des Sportschießens!


 

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen.